Anke Vetter: Über meine Arbeit

Staatl. gepr. Gymnastiklehrerin/Dore Jacobs, Bewegungs- und Tanzlehrerin, Improvisation, Contactimprovisation, Heilpraktikerin, Chiropraktikerin, Neuraltherapeutin.

»Bewegung ist die Sprache des Menschen. Über alle äußeren Zwecke hinaus ist

sie das Instrument, mit dem er äußert, was in ihm lebt und wirkt. Denn alles,

was ein Mensch unternimmt, wird durch Bewegung verwirklicht.« Dore Jacobs

Im Laufe meiner Arbeit mit vielen verschiedenen Zielgruppen (u.a. in der Jugendhilfe, mit Menschen mit Behinderungen, in der Erwachsenenbildung, im Seniorenbereich sowie in meiner schmerztherapeutischen Praxis) habe ich in erster Linie die Zusammenhänge zwischen körperlichen, psychischen und emotionalen Prozessen erlebt und bearbeitet. Dabei gehe ich davon aus, dass sich psychische und emotionale Prozesse durch das Arbeiten mit dem physischen Körper in Bewegung und Tanz beeinflussen lassen, ebenso ist die Psyche und Emotionalität durch gezielte schmerztherapeutische Behandlung positiv beeinflussbar. Unsere Erfahrungen und Erlebnisse vollziehen sich immer im Austausch körperlicher Erfahrungen und ihrer Reflexion. Abstraktion und Handlungsideen resultieren hieraus.

Die Dore Jacobs Arbeit ist eine ganzheitliche Methode der Bewegungspädagogik und Bewegungstherapie, die immer Körper, Geist und Seele des Menschen, das Lebensganze anspricht. Ein besonderes Gewicht legte Dore Jacobs auf das Zusammenspiel der Innenbewegung (Atmung, Verdauung, Herz-Kreislauf, Lymphsystem) mit der Außenbewegung des physischen Bewegungsapparates. Dore Jacobs begann ihre Bewegungsarbeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts und stand in Austausch mit anderen Pionierinnen wie Elsa Gindler oder auch Gerda Alexander. Von ihnen wurde sowohl Rudolf von Laban, aber auch Moshe Feldenkrais inspiriert und im weiteren Verlauf über die Sensory Awareness auch die KBT (Körperzentrierte Bewegungstherapie) entwickelt. Atemtherapie, Eutonie, manuelle Behandlungstechniken, sowie Bewegung mit Geräten (z.B. Bälle, Stäbe) sind Mittel den Menschen persönlich in seiner speziellen Situation anzusprechen und zur Heilung zu befördern. Die Arbeit mit Partnern im Tanz und speziell in der Contactimprovisation spiegelt auch unsere Handlungsmuster und unser Beziehungsverhalten im Alltag, ist daher ein gut geeigneter Ansatz, um Menschen mit sich zu konfrontieren und Entwicklung im Kontakt mit sich und anderen zu fördern.

Nach meinem Examen an der Dore Jacobs Schule habe ich mich intensiv in Tanz, Improvisation und Contactimprovisation weitergebildet (u.a. Ausbildung Neuer Tanz) und mein Wissen und meine Erfahrung in verschiedensten soziokulturellen bzw. soziotherapeutischen Bereichen umgesetzt. Inhalte meiner Aus- und Weiterbildungen waren unter anderem Atemarbeit nach Ilse Middendorf, Authentische Bewegung, Feldenkrais-Methode und Alexandertechnik.

2015 habe ich meine Ausbildung zur Heilpraktikerin und Chiropraktikerin abgeschlossen und 2016 die Ausbildung Neuraltherapeutin beendet. Ebenso ließ ich mich in medizinischer Massage fortbilden. Diese Praktiken erlauben es mir auch ganz gezielt bei Verletzungen und physischen Störungen in den Genesungsprozess und damit auch in die psychisch-emotionale Entwicklung einzugreifen.

Inhalt und Ziel meiner therapeutischen Arbeit ist es, die Menschen zum Vertrauen in ihren Körper, ihre Bewegung und ihr Gefühlsleben zu begleiten und ihnen darüber einen Zugang zu sich selbst und ihrem eigenen Ausdruck zu verschaffen, damit sich das gestörte Bewegungsleben (jede Symptomatik ist Ausdruck davon) neu ordnen lässt und so psycho-physiologische Entwicklung möglich macht. Hier sind die Chiropraktik und Neuraltherapie als systemische Therapien, um Blockaden der dem Körper innewohnenden Selbstheilung zu lösen, eine sinnvolle Unterstützung. Psycho-emotionale Themen sind hierbei auch immer Grenzen, Nähe-Distanz-Problematiken und Vertrauen.

Meine Arbeit setzt an der Körpererfahrung und der Bewegungserfahrung an. Durch Behandlungen, die aktuelle Bewegungsblockaden und Störungen beseitigen helfen, aber auch durch Arbeit mit Geräten und durch Bewegung im Raum vermittle ich Kenntnisse über die Funktion unserer Anatomie und Physiologie in Bewegung, über die spürbaren Zusammenhänge von Atmung, Herz-Kreislaufsystem und der Bewegung unseres Bewegungsapparates mit der damit verbundenen Emotionalität. Die Haut lasse ich als Kontakt- und Abgrenzungsorgan erleben, medizinische Massage löst Verspannungen und Verklebungen. Neben der Eigenwahrnehmung ist ein zweiter Schwerpunkt der Kontakt zu anderen, der die Wahrnehmung eher auf psychische Prozesse lenken kann; Menschen kommunizieren zu 90% über die Sprache des Körpers, jede Auseinandersetzung mit dem eigenen und anderen Körpern ist also eine intensive Kommunikation, die in vertrauensvoller Atmosphäre geübt und bei positiver Rückmeldung auch auf die verbale Kommunikation ausgedehnt werden kann. Nicht zuletzt beinhaltet meine Arbeit, der „Emotionalen Intelligenz“ Raum zur Entwicklung zu geben.

Jede körperlich erspürte Arbeit wirkt auf unsere Psyche, auf unser Nervensystem und auf unseren Geist. Durch die Einheit von Körper, Geist und Seele wirkt Flexibilität, Wachheit und Reaktionsbereitschaft auf unser gesamtes Denken und Handeln. Diese Koppelungen zu verstehen, körperlich zu begreifen, dass sie nicht statisch, sondern in Bewegung sind (kein Zustand geht nicht irgendwann vorbei) und darüber ein neues Selbstbild zu erlangen, ist sinnvolle Arbeit.

Improvisationen sind Kompositionen aus dem Augenblick, welche – neben Authentizität, Eigenverantwortlichkeit, Selbständigkeit, Entscheidungsfähigkeit, Toleranz und Akzeptanz – vor allem den Kontakt zu sich selbst erfordern und fördern. Die Improvisation als spontanes Äußern in Bewegung bezieht den ganzen Menschen ein, lässt ihn sich in seinen Handlungsmustern erkennen und gibt ihm die Möglichkeit, in geschütztem Rahmen spielerisch neue Handlungen zu erproben, neue Erfahrungen zu sammeln. Nonverbal, lediglich in körperlichem Bewegungsausdruck, werden alle Sinnesorgane und vor allem der kinästhetische Sinn geweckt und geschult. Mit den anatomischen Gesetzmäßigkeiten unserer Bewegung im Raum und unseren Bewegungsideen entwickeln wir eine Bewegungssprache mit der wir kommunizieren können. Aus der gegenseitigen Berührung wächst die Sensibilität für Andere und es entsteht in vor- und rücksichtsvoller Atmosphäre ein Verantwortungsgefühl für den gemeinsam gestalteten Tanz.

Neben der Selbsterfahrung ist Tanz auch immer Kommunikation mit der Außenwelt. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, spielerisch und tänzerisch mit Anderen in Kontakt zu kommen. Menschliche Entwicklung ist durch In-Beziehung-setzen gekennzeichnet, entweder zu sich selbst oder zu anderen. Hierbei können Gestaltungsprobleme auftreten, die ihre Ursachen in individuellen Lebensproblemen haben und die zur Zufriedenheit oder Unzufriedenheit beitragen. Die Handlungsmuster der Einzelnen werden in den Trainingsprozess mitgenommen, Schritt für Schritt in spielerisch tänzerischer Form bewusst. Die entstehenden Beziehungen spiegeln vielfältig das eigene Befinden und Verhalten, was wiederum jede für sich im eigenen Tempo bearbeiten und die Veränderungen im Trainingsprozess einbringen kann. Durch den Austausch untereinander lernen Teilnehmende neue, ihnen bislang verschlossene Handlungsmöglichkeiten kennen, die sie im Training ausprobieren können, bevor sie sie im Alltag umsetzen lernen.

Die Contactimprovisation hat keine festen Schritt- oder Bewegungsformen. Der ökonomische Umgang mit Gewicht, unserem eigenen, aber auch zu tragendem Gewicht, ist wesentliches Element dieser Tanzform. Die Tänze entstehen aus den gleichberechtigten freien Entscheidungen der Tanzenden in jedem Moment. Die Bewegung entsteht aus der Berührung des anderen Körpers, indem Gewicht abgegeben (z.B. Anlehnen) oder aufgenommen (z.B. Unterstützen des Anderen) wird und/oder indem der Kontaktpunkt durch Rollen verschoben wird. Der Kontaktpunkt kann großflächig (z.B. Rücken an Rücken) oder sehr klein (z.B. Berührung der Fingerspitzen) sein. Hieraus entsteht ein Spiel mit Nähe und Distanz in eher weichen, runden, spiraligen Bewegungen. In der Contactimprovisation werden die physikalischen Gesetzmäßigkeiten innerhalb von Bewegung (Statik, Balance, Schwerkraft, Fliehkraft) und innerhalb des eigenen Körpers (Atmung, Aufrichtung, Zusammenspiel von Muskeln und Gelenken, Rollen) erfahren. Der kontinuierliche Körperkontakt vermittelt durch seine eher technische Ausprägung (Umgang mit dem eigenen Gewicht und das des Partners in Bewegung) neue Zugänge zu Berührung und Begegnung mit anderen Körpern, sowie neue Lösungsmöglichkeiten in der Gestaltung von Beziehungen.

Zusammenfassend zielt meine Arbeit darauf, Menschen zu befähigen ihre eigenen Prozesse in der Auseinandersetzung mit der psychologischen Wahrnehmung, dem physiologischen Körpersystem und der physikalischen Außenwelt zu erkennen, diese Gesetzmäßigkeiten variabel umzusetzen und somit für die eigene soziale und kommunikative Entwicklung zu nutzen. Je größer unser Repertoire an Handlungsmöglichkeiten ist, desto umfassender können wir uns auf neue Anforderungen einstellen und mit wechselnden Bedingungen zu unserer Zufriedenheit umgehen.

Diese Erfahrungen haben keine Grenzen im Lebensalter. Lediglich die Umsetzung meiner Arbeit variiert mit dem, was mir die Menschen anbieten, mit denen ich zusammenarbeite.

Vielen Dank für Ihr Interesse.

Lieber Leser, Du darfst unsere Beiträge und Anmerkungen nach Herzenslust kommentieren; wir behalten uns die Veröffentlichung vor. Bitte vermeide es, Unsinn zu schreiben, sei höflich und respektvoll. Deine Daten werden außer dem eingetragenen Namen nicht gespeichert, da uns diese überhaupt nicht interessieren. Danke :-)

Schreibe einen Kommentar

Erlaubte HTML-Tags: <a href=""> </a> <blockquote> </blockquote> <em> </em> <strong> </strong>