Welche Finanzkrise?

Die so genannte Finanzkrise hat ihre Ursache im exponentiellen Wachstum der Zinsen auf angelegtes Kapital (Passiva) und der Unmöglichkeit, diese Zinsen durch Einnahmen aus Kreditverkäufen (Aktiva) zu erwirtschaften, da die Verbindlichkeiten aus dem zu verzinsenden Kapital inklusive zukünftiger Zinsen immer höher sind, als das zur Erwirtschaftung vorhandene gegenwärtige Kapital. Der Ausweg – unabhängig von den ungedeckten Krediten in den Aktiva – liegt also nicht in der massiven Erhöhung der Aktiva durch Steuergelder, welches zwangsläufig eine Erhöhung der Passiva zur Folge hat, sondern in der Verringerung der Passiva durch Verzicht oder Enteignung, einhergehend mit einer neuen und vor allem rechenbaren Strategie im Umgang mit dem Zinssystem.

Die Physik des Geldes

Der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik – der Entropiesatz – besagt, dass durch so genannten Wärmeverlust durch Reibung – Dissipation – nie 100% der investierten Energie in das gewünschte »Format« umgewandelt werden kann. Auf diesem Satz beruht die uns bekannte Welt. Kein Gesetz widerspricht diesem Satz. Dieses Gesetz zu Ende gedacht, lässt nur die Schlussfolgerung zu, dass wir in einer unendlichen Welt mit endlichen Prozessen leben. Unbegrenztes Wachstum von Prozessen und ihren Produkten ist deshalb unmöglich. Spätestens wenn die dafür notwendigen Produktionsmittel in ihr Produkt umgewandelt werden müssen, um dieses Wachstum – also sich selbst – zu generieren, ergibt sich das Paradox, dass die Produktionsmittel versagen, weil sie nur in gegenseitiger Abhängigkeit zu den von ihnen geschaffenen Produkten existieren können, sich also gegenseitig voraussetzen. Ohne Produktionsmittel kein Produkt, ohne Produkt kein Produktionsmittel. Der Hammer wird nicht zum eingeschlagenen Nagel, Geld nicht zu Wert und Schuld nicht zu Besitz. Das, was wir derzeit als Finanzkrise erleben, ist nichts weiter als das Wirken des Zweiten Hauptsatzes. Wir können im übertragenen Sinne ab einer gewissen Sättigung keine Produkte mehr generieren, weil sich alle Produkte in Produktionsmittel oder alle Produktionsmittel in Produkte verwandeln würden. Bezogen auf das Geldsystem durch Zins auf Schuld, denn Geld ist nichts anderes als ein Schuldschein, welcher verzinst wird, bedeutet das, dass die Schulden irgendwann eine Höhe erreichen müssen, welche den Betrag, welcher zur Erwirtschaftung zur Verfügung steht, übersteigt. Auch das konsequent zu Ende gedacht bedeutet nichts weiter, als dass jeder Zins auf Geld als Schuld und Produktionsmittel, dieses als solches letztendlich außer Kraft setzen würde, weil es mehr wert wäre als das durch sich geschaffene Produkt. Damit würde es sich selbst aufheben und so ad absurdum führen.

Vor diesem Szenario beschützt uns aber der Erste Hauptsatz besagter Thermodynamik – der Energieerhaltungssatz – welcher darlegt, dass Energie nicht verminderbar oder vermehrbar, sondern ausschließlich wandelbar ist. Daraus ergibt sich die Aussage des Zweites Hauptsatzes, dass Energie nicht zu 100% wandelbar sein kann, weil sie damit ihre Bedingung, nämlich die zur Umwandlung benötigte Energie, und damit sich selbst auslöschen würde, was jedoch der Erste Hauptsatz verbietet.

Die einzigen beiden sinnvollen Alternativen zur Verlängerung des Energieumwandlungs-Prozesses bestehen entweder in der Möglichkeit auf den einseitigen Kapital=Schuld-Zins zu verzichten oder in der Einführung eines wertausgleichenden Gegenzinses, beispielsweise auf Arbeitskraft oder Sachwerte in Form eines Sachzinses, welcher mit dem Kapitalzins verrechnet würde und mit dem genauso gehandelt werden könnte.

Als Ultima-Ratio und dritte Alternative sei hier noch die Möglichkeit einer globalen Sachwertumwandlung in Staub und Asche erwähnt.

Eine Neue Weltordnung

Aktiva und Passiva sind die Hauptbestandteile zum Verständnis des globalen Vorgangs, dessen Ungeheuerlichkeit aus den daraus schlussfolgerbaren Möglichkeiten besteht, welche im Falle ihres Eintretens zu Recht mit den globalen Umwälzungen der weltweiten Industrialisierung des letzten Jahrhunderts vergleichbar sind. So wie Bertolt Brecht auch zu Recht bemerkte, dass »der Wahnsinn irgendwann solche Ausmaße annimmt, dass die dahinterliegende Wahrheit nicht mehr wahrgenommen wird«, so kann man im aktuellen Fall der so genannten Finanzkrise eine offensichtliche Verschleierung offensichtlicher Tatsachen diagnostizieren. Die gezielte Desinformationskampagne über den Vorgang, ausgeführt durch die Medien, welcher bewusst völlig irreführend als Finanzkrise bezeichnet wird, ist ein gefährlicher Deal mit allen Grundwerten, welche wir heute für selbstverständlich halten. Die Aussage der deutschen Bundeskanzlerin und Insiderin in den Hallen der Agitation und Propaganda, sowie promovierten Physikerin(!) Angela Merkel, »… wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit«, sollte auch von den unbedarftesten Zeitgenossen wörtlich genommen werden. Wir verschenken gerade unsere Demokratie. So wie vor über 20 Jahren die DDR-Bürger mit ihrem virtuellen Stückchen »Volkseigentum« unter dem Arm in die nächste westdeutsche Sparkasse rannten, um im Austausch dazu 100,– Deutsche Mark »geschenkt« zu bekommen. Als Begrüßungsgeld in die Besitzlosigkeit.

Banken leihen sich Geld von der Staatsbank und ihren vermögenden Kunden (Passiva) – und verleihen dieses an den Kreditnehmer Müller, der jung ist und glaubt das Geld zu brauchen, welches er nicht hat. Dafür bekommen die Kapitalgeber Zinsen, welche zuzüglich der Kreditsumme von der Bank vom Kreditnehmer Müller eingefordert werden (Aktiva). Der Zins wird bis auf eine Bearbeitungs- oder besser Maklergebühr an die Kreditgeber gezahlt. Sollte Kreditnehmer Müller zahlungsunfähig sein, muss er einen dem Wert entsprechenden Sachwert als zuvor garantierte Sicherheit an den Kreditgeber abtreten.

Dem Kapitalgeber selbst kann es nicht nur egal sein, ob der letztendliche Kreditnehmer das geliehene Geld wieder zurückzahlen kann, es kann ihm auch egal sein, ob die Bank, mangels zahlender Kreditnehmer, ihre Schuld als seine Zinsen erwirtschaften kann – der Sachwert als Sicherheit ist von Belang. Die Zahlungsunfähigkeit der Kreditnehmer und damit der Banken ist damit das beste Geschäft für den Anleger – dann kann er nämlich den Preis diktieren, welchen er für den Sachwert bezahlen möchte. Im Grunde kostet den Kreditgeber der Sachwert bei schlechter Auftragslage nichts weiter als ein paar Verwaltungskosten für die Leute, welche die Überzeugungsarbeit bei den (Noch)-Sachwertbesitzern leisten. Diese Überzeugungstäter werden nach Leistung bezahlt, also ist es nur in ihrem Interesse die zukünftigen Kreditnehmer davon zu überzeugen, dass ein Bündel Papier wertvoller ist als Oma ihr klein Häuschen. Das Wertvolle daran ist die Suggestion, dass der Kredit ja nicht den Verkauf des Häuschens beinhalte, sondern dem Kreditnehmer quasi die Chance lassen würde, durch den Kredit soviel Geld zu erwirtschaften, dass er das Häuschen behalten kann. Im Grunde nötigt die Bank ihren Kreditnehmer ebenso zum gewinnbringenden, also verzinsten Verleih des Kredits durch seine profitable, also verzinslichte Verwertung, wie sie von ihren Kreditgebern dazu genötigt wird. Alle verleihen eigentlich ein Zahlungsversprechen des Kreditgebers, welches er, würden alle dieses Versprechen einfordern, nicht bedienen könnte – da er dieses Versprechen in mehrfacher Höhe seiner eigenen Sachwerte abgibt – und auch nicht bedienen muss – man hat schließlich nur ein Versprechen verkauft und die sind im Sinne des Wortes unsachlich. Sachwerte werden also letztendlich mit Fiktionen bezahlt.

Wo das endet ist klar – den Letzten beißen die Hunde und der Letzte bezahlt die Zeche. Das Ganze ist ein gigantisches, exponentiell wachsendes Schneeballsystem, dessen Ausmaß nur von den Initiatoren überschaut wird und an dessen Ende eine überproportionale Umverteilung von Sachwerten von Vielen zu Wenigen stattfindet. Wie oft die Währung wechselt oder sie dabei genannt wird, selbst wie hoch die Zinsen veranschlagt werden oder ob selbst die Schulden jemals zurückgezahlt werden können, ist irrelevant – wichtig allein ist der deklarierte Anspruch auf mehr Kapital als zur Verfügung gestellt wurde bzw. auf die »versicherten« Sachwerte. Die Kunst dabei ist ausschließlich, wie man jemandem dazu bringt, für ein letztlich nicht einlösbares Versprechen sein Haus zu verschenken und sich dazu auch noch verpflichtet zu fühlen. Es wissen auch und vor allem die 10% der Bevölkerung, denen bereits ca.70% aller Sachwerte gehören, dass man Geld nicht essen kann. Wären ihre Versprechen soviel wert wie sie glauben machen, dann würden sie diese selbst behalten, anstatt sie gegen »unterbewertete« Sachwerte zahlungsunfähiger »Kunden« einzutauschen. Stattdessen tun sie so, als würden sie uns einen mordsmäßigen(!) Gefallen tun, wenn sie uns für unsere Sachwerte ihr Dreckspapier in die verschwitzten Hände legen, damit wir nur ja morgen auch noch etwas zu fressen haben – wir Wichte – weil Geld schmeckt ja super.

»Während der Mainstream der Krisenanalytiker sich einseitig auf die Aktivseite des Bankensystems, die faulen Kredite, die fallenden Aktienwerte und den Derivateschwindel konzentriert, lohnt es sich, einen Blick auf die Passivseite der Bankbilanzen zu werfen. Die allzu gern vertuschte Wahrheit und die Verursacher der Finanzkrise finden wir nämlich hier: sich immer schneller aufblähende, exponentiell wachsende Passiva, sprich: explodierende Geldvermögen.« Alexander Czerny in Kurzbeschreibung der aktuellen Finanzkrise

Die immer größer werdende Schwierigkeit der Erbringung der gigantischen Summen an Zinsen und Zinseszinsen seitens der Banken an die Kapitalgeber wird deutlich, wenn man bedenkt, dass zur Wertabsicherung dieser Zahlungsversprechen natürlich entsprechende Sachwerte benötigt werden (Aktiva = Passiva), doch die gibt es leider nicht in ausreichender Menge auf Seiten der Kreditnehmer. Zumindest nicht in einer Welt, in welcher denen, welche Zins erwirtschaften lassen wollen, faktisch alles gehört und denen, welche diese Zinsen erwirtschaften sollen, nichts mehr, weil alles verspekuliert oder als »Sicherheit« an bzw. für die Kreditgeber »verbrieft« wurde. All das kann denen egal sein, welche faktisch alles haben – wer alles hat, der braucht nicht mehr zu expandieren. Aber die Banken gehen deshalb – an der Unmöglichkeit die zur Absicherung der Passiva benötigten Kredite als Aktiva zu verkaufen – pleite und mit ihnen alle davon abhängigen kleinen Unternehmen, ebenso die letzten Sparreserven des Kleinen Mannes. Dem kann das nicht egal sein, weil sein Häuschen jetzt dem gehört, dessen Zahlungsversprechen heiße Luft war und an selbiger er nun sitzt. Er ist Gläubiger eines Heilsversprechens, welches er bezahlt. Moderner Ablass sozusagen.

Das Ziel der Kapitalversprecher ist also letztendlich die Zahlungsunfähigkeit der Sachwertbesitzer, um in die Verfügung ihrer Sachwerte zu kommen. Da aber durch die sich immer häufiger zeigende Zahlungsunfähigkeit auch die Zahl der Gläubigen und Sachwertverschenker abnimmt, hat man für die letzten und ganz Dummen unter ihnen einen ganz tollen Trick erfunden – man erfand die so genannten CDS, Credit Default Swaps. Das bedeutet schlicht und falsch Kredittausch und wird, wie die Ereignisse zeigen, völlig richtig als Kreditausfallversicherung – also eine Versicherung für und nicht gegen den Ausfall von Krediten – bezeichnet und funktioniert, indem man bestehende Kredite zur eigenen »Risikominimierung« an andere Risikoträger auslagert. In Wirklichkeit besteht diese Risikominimierung im Anreiz zu einer finanziellen Spekulation auf die Zahlungsunfähigkeit eines Kreditnehmers, also das Platzen von Krediten, weil man sich ja auch noch mit dem letzten Dreck die eigene Nase vergolden möchte. Wir erinnern uns – der kürzeste Weg zum Sachwert ist die Zahlungsunfähigkeit des Eigentümers. Der Sicherungsnehmer oder besser Spekulant bezahlt in diesem Fall eine regelmäßige (häufig vierteljährliche oder halbjährliche) Gebühr und erhält bei Eintritt des bei Vertragsabschluss definierten Kreditereignisses, also beispielsweise Umschuldung oder dem Ausfall der Rückzahlung aufgrund Insolvenz oder Zahlungsverzug, eine Ausgleichszahlung (Credit Default Swap). Wetten dass? Man soll also auf die eigene Zahlungsunfähigkeit wetten und daraus mehr Kapital erwirtschaften können, als man durch die eigene Zahlungsunfähigkeit verliert? Das würde bedeuten, dass derjenige alles hat, welcher nichts hat. Da hat wohl jemand den Buddha falsch interpretiert. Bezahlen soll man das Ganze natürlich aus eigener Tasche oder per Kredit.

Man erzählte also den Schmalspurspekulanten, wenn sie ihr Häuschen als Sicherheit hergeben würden, würde man ihnen soviel Geld leihen, dass sie auf die Zahlungsunfähigkeit anderer Gläubiger wetten könnten. Sie bräuchten dazu nur das Geld, welches sie vom Kapitalversprecher bekämen, an diesen zurückzuzahlen, um sich mit diesen Zahlungen das Recht einzukaufen, von der Zahlungsunfähigkeit eines anderen Gläubigen oder sich selbst zu profitieren und das mit enormen Renditen. Und da im eigentlichen Sinne der Verkäufer dieser Blasen auch der Kreditgeber des Zahlungsunfähigen ist, kann hier eine todsichere Prognose zur Übernahme der als Sicherheit hinterlegten Sachwerte seitens der Banken abgegeben werden. Das könnte man ohne Übertreibung als Kreditkannibalismus bezeichnen. Die Superdummen aber waren diejenigen, welche sich überzeugen ließen, die dahinterstehenden Kredite gleich dazu kaufen, natürlich damit der Profit höher ausfällt. Ich nehme einen Kredit auf, dann kaufe ich ihn der Bank ab, wette auf meine Zahlungsunfähigkeit und bekomme dafür von der Bank eine Menge Geld? Aber man bekommt ja den Hals nicht voll genug. Diese Masche hat natürlich bestens funktioniert, die Kredite und das Denken fielen nämlich gleich mit aus. Getreu dem Motto »Kauf das Ding erst einmal, das geht eh den Bach runter, Du bekommst zum kleinen Preis den Sachwert als Sicherheit oder profitierst zumindest von dessen Verkauf«. Davon waren diese Lemminge so begeistert, dass sie diese Kontrakte – natürlich nach dem gleichen Muster – weiterverkauften, man wollte ja partizipieren. Auch die Politik pokerte fleißig mit – mit Haushaltsschulden, sprich kostenlosen Geldzwangsanleihen beim Steuerzahler; selbstverständlich ohne Profitbeteiligung desselben. Alle, die jetzt über die bösen und habgierigen Banker jammern, welche »unsere Werte« verrieten, haben mitgezockt und immer mit dem Geld der Anderen. Ihnen kam natürlich nie in den Sinn, sie seien ein Stein im Spiel der ursprünglichen Erfinder. Nein, sie gaben nur das Risiko weiter. Da sagten sich die Zampanos natürlich, »also wer so blöd ist und auf seine eigene Zahlungsunfähigkeit mit seinem eigenen Geld wettet, dieses bei uns teuer einkauft und dafür sein Häuschen als Sicherheit bereitstellt, hat das einfach nicht verdient«.

Bleiben noch die Uneinsichtigen und ewigen Nörgler übrig. Also entweder die, welche ihr Geld nicht zum Fenster rauswerfen wollen oder diejenigen, welche kein Geld mehr haben und zwangsernährt werden. Denen kann man nicht mehr mit Renditechancen kommen, da müssen schon andere Überzeugungsszenarien suggeriert werden. Zum Beispiel eine globale Finanzkrise. Kein Problem, da die Zahlungsunfähigkeit der »Kreditinstitute« eh nicht aufzuhalten ist oder unbemerkt bleibt, macht man aus der Not eine Tugend. Man erklärt die Zahlungsunfähigkeit der Banken und Zockerfirmen nicht wie üblich zum marktbereinigenden Instrument und Folge ihrer Wirtschaftspolitik, sondern zum globalen Notstand, den es unter allen Umständen zu beheben gilt. So als wäre es nicht im Normalfall auch völlig egal, ob der Bäcker um die Ecke pleite geht. Soll ich doch meine Brötchen woanders herholen. Das interessiert die Verfechter »freier Märkte« sonst auch nicht. Warum müssen jetzt plötzlich diejenigen die Banken retten, die von diesen schon lange keine Zahlungsversprechen mehr bekommen und auch noch aus diesem Grund? Weil man diese Renitenten mit Sachzwängen sozialer Art und mittels Verordnung wesentlich besser zwingen kann diese »Rettungssteuer« zu zahlen, als darauf zu warten, dass sie freiwillig ein bisschen Geld für die notleidende Kreditwirtschaft investieren zum Zwecke der Vermögensexplosion einiger Weniger. Zwangsabgaben können wesentlich besser verkauft werden, wenn sie als Steuern getarnt werden, anstatt als Kredit. Das nennt man dann SWW – Staatsanleihe wider Willen – 100% sicher. Als Staat hat man, anders als eine Bank, auch noch besseren und tieferen Zugriff auf die Sachwerte der Bürger – da gibt es zwar auch eine Pfändungsgrenze, der Schuldtitel jedoch verjährt nicht nach 30 Jahren. Eigentum verpflichtet.

Was aber passiert nun eigentlich mit dem ganzen Schrott, den faulen Krediten; faul, weil sie nicht mehr bezahlt werden können und damit totes Kapital darstellen, welches die Aktiva aufblähen, ohne Profit zu bringen oder Wert zu haben?

Die naheliegendste Lösung scheint der Konkurs aller betroffenen Banken zu sein. Was aber passiert dann mit den Passiva, den Verbindlichkeiten dieser Bank an ihre Kreditgeber? Die Minisparer können ohne weiteres durch den Staat aufgefangen werden, wie Angela Merkel vollmundig tönte, »alle Spareinlagen sind sicher«. Das gälte dann aber auch für die Billionen von privaten Spareinlagen einiger Weniger. Nur ist für die vielen Zahlen leider kein Geld und auch kein Sachwert vorhanden. Da gäbe es noch die viel diskutierte Bad-Bank, also ein Bösewicht von Bank, der alle faulen Kredite schluckt und schwupps, weg sind sie aus den Aktiva der betreffenden Banken. Damit ist das grundsätzliche Problem aber ebensowenig wie mit der Pleite von Banken gelöst. Die Passiva ständen nicht nur nach wie vor zu Buche, sondern nachdem die faulen Kredite aus den Aktiva gelöscht würden, wäre das Loch in der Bilanz noch mehr zugunsten der durch fehlende Aktiva nicht mehr bedienbaren Passiva verschoben. Game over! Fängt das Spiel mit dem gleichen Rechenfehler wieder von vorne an, wird es aufgrund der gleichen Bedingungen kollabieren.

Ein interessantes »Bad-Bank«-Konzept hat dazu der englische Ökonom Willem Buiter entworfen (»Can the UK government stop the UK banking system going down the snyrting without risking a sovereign debt crisis?«):

(1) Alle privaten Großbanken werden komplett verstaatlicht. Und zwar zwangsweise, ohne Ausnahme, auch die Banken, die nach wie vor meinen, sie wären solvent und könnten es auch alleine schaffen.

(2) Das bestehende Management wird gefeuert, die Aufsichtsgremien dito, mit Ausnahme derer, die erst nach Ausbruch der Krise im September 2007 an Board gekommen sind.

(3) Es gibt keine weiteren staatlichen Garantien für bestehende Kreditforderungen oder sonstige Assets. Unabhängig davon, ob sie toxisch, zweifelhaft oder werthaltig sind. Garantien gibt es stattdessen nur noch für Neukredite.

(4) Alle toxischen und zweifelhaften Assets werden von den nunmehr verstaatlichten Banken in eine neue »bad bank« transferiert. Eventuell zum Nulltarif, soweit das möglich ist, und wo nicht (etwa aus rechtlichen oder regulatorischen Gründen), bestimmt man die Transferpreise im Rahmen von offenen Auktionen. Da beide Banken, die alte übernommene wie die neue bad bank, ohnehin dem Staat gehören, ist die Bewertung letztlich egal. Der Ankauf der Assets durch die Bad Bank wird durch einen staatlichen Kredit an die bad bank finanziert, oder durch eine durch sie gegebene Anleihe, die der Staat zeichnet.

… das klingt nicht schlecht, löst aber das Problem der Passiva auch nicht wirklich – man hat nur Zahlen beiseite gebracht. Wie elegant das geht, beweist die folgende Meldung des Managermagazins vom 03. April 2009:

»Die in den USA für Rechnungslegungsvorschriften zuständige Behörde FASB hatte […] dem Druck von Banken und Politikern nachgegeben und die bisherigen Regeln zur Bewertung von Wertpapieren gelockert. US-Geldhäuser können künftig mehr Wertpapiere nach eigenen Modellen bepreisen und müssen nicht die teils massiv gesunkenen Marktpreise in ihren Bilanzen als Basis verwenden. Das senkt den Abschreibungsbedarf zum Teil drastisch und sorgt für geringere Verluste – voraussichtlich bereits im ersten Quartal.«1

… aus den Augen, aus dem Sinn?

Die im Grunde einzig ökonomisch sinnvolle und vertretbare Alternative wäre eine Bemessungsgrenze für Spareinlagen – in einem für alle wirtschaftlich vertretbaren Durchschnitt – bis zu welcher private Einlagen garantiert werden, der Rest ist Spekulationskapital, also Spielgeld und im Falle des Falles Schrott – nicht ohne Grund, weil damit der ganze Kreditschrott auch angekurbelt wurde, um die Aktiva künstlich aufzublähen. Das hätte zum Einen eine Entschuldung der nicht bedienbaren Kredite und damit eine Entlastung der Aktiva zur Folge, zum Anderen aber auch die Entschuldung oder Entlastung der Passiva, was nichts anderes bedeutet, als dass alle Sparvermögen ab der Bemessungsgrundlage verstaatlicht, bzw. ihre Eigner notfalls enteignet werden müssten. Zumindest das deutsche Grundgesetz sieht solche Szenarien durchaus vor. Nämlich in Artikel 14Eigentum verpflichtet – und Artikel 15Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden. Für die Entschädigung gilt Artikel 14 Absatz 3 Satz 3 und 4 entsprechend – die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.

Das einzig wirkliche Problem ist die Entscheidung, ob einige Wenige entweder auf ihre Ansprüche auf Sachwerte anderer verzichten, um sich nicht selbst die Existenzgrundlage zu entziehen, oder ob eine Menge Vieler sich nimmt, was sie zum Überleben braucht. In diesem Moment beginnt die eigentliche Krise. Deren Ergebnis wird Krieg oder Frieden sein.

1 Managermagazin vom 03.04.2009: EU will Bilanzregeln für Banken lockern, http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,617142,00.html

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